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Das Metaversum: eine Gefahr für die menschlichen Beziehungen oder Fundgrube neuer Optionen für HR?

Ist das Metaversum ein Albtraum, den es zu bekämpfen gilt, oder ein neuer Horizont, von dem die Arbeitswelt profitieren kann?

Laut Mark Zuckerberg wird es nur 5 Jahre dauern, bis Millionen von Menschen das Metaversum nutzen werden. Stimmt das wohl? Und wird es vor allem für die Welt der HR wirklich nützlich sein?

Hier bei Reverse haben wir praktische Versuche unternommen, um möglichst schnell Antworten zu finden, die zumindest für alle, die sich mit Human Resources beschäftigen, hilfreich sein können.

Wir haben uns ein konkretes und klar definiertes Ziel gesetzt: Wir wollen wissen, ob unsere Plenarversammlungen effektiver werden, wenn wir sie ins Metaversum verlegen.

In diesem Beitrag nehmen wir Sie Schritt für Schritt mit bei diesem Experiment, mit dem wir feststellen wollten, ob die genannten Situationen für die Beteiligten fesselnder werden, wenn man sie ins Metaversum verlegt.


  1. Vorweg: die ersten Experimente im Bereich Human Resources (und darüber hinaus)
  2. Es geht los: die praktischen Versuche der CEOs von Reverse
  3. Wann wird das Metaversum für HR interessant? Unsere Erfahrung.
  4. Onboarding im Metaversum: unser konkretes Projekt
  5. Metaversum für HR: Wo sind die Grenzen (zumindest bis jetzt)?
  6. Und die Zukunft, wie geht es weiter?

1. Vorweg: die ersten Experimente im Bereich Human Resources (und darüber hinaus)

Wir beginnen mit einem kurzen Vorwort und werfen einen Blick auf die Untersuchungen, die wir unseren Versuchen zugrunde gelegt haben. Wenn Sie direkt zu unseren konkreten Experimenten gehen wollen, finden Sie diese unter Punkt 2.

Wenn Sie jedoch zusammen mit uns entdecken wollen, welche faszinierenden Systeme die Unternehmen im Metaversum implementieren, dann lassen Sie uns gemeinsam hier anfangen.

Als wir uns zu unserer Reverse-Reise ins Metaversum entschlossen haben, wollten wir den Leuten Lösungen vorschlagen, bei denen schon ein vernünftiges Maß an Sicherheit besteht.

Deshalb haben wir nachgeforscht, auf welchen Plattformen die Unternehmen sich bewegen. Folgendes haben wir gefunden:

NextMeet ist ein indisches Start-up, das eine virtuelle Realität auf Basis von Avataren geschaffen hat und verspricht, die Zusammenarbeit unter Kolleg:innen und die Weiterbildung zu verbessern. PixelMax bietet an, Unternehmen bei der Gestaltung von virtuellen Räumen und Events zu begleiten und verspricht unter anderem eine 3D-Erfahrung, die spielerisch und mittels eines Wellness-Bereichs den Zusammenhalt des Teams stärkt. Einen virtuellen Raum, in dem man auch Essen bestellen kann und in dem die Menschen gern ihre Zeit verbringen. Gather behauptet, dass sein Metaversum von mehr als 10.000 Teams weltweit genutzt wird, und präsentiert bedeutende Marken aus der Welt der Innovationen wie etwa Y Combinator.

Auch im Bereich Bildung gibt es viele Beispiele: Medivis, ein Unternehmen, das technische Ausstattung für Operationssäle anbietet, verwendet Microsoft’s HoloLens, um Medizinstudentinnen und -studenten über eine 3D-Interaktion an virtuellen Modellen zu trainieren; die Michigan State University führt ihre Kurse begeistert mit Hilfe dieser virtuellen Realität durch. Im Netz finden sich zahlreiche weitere Beispiele.

Entdeckungen, die für Begeisterung sorgen, aber wie sieht es außerhalb der Arbeitswelt aus? Ist das Metaversum auch im Alltag faszinierend? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, haben wir nach erfolgreichen Beispielen außerhalb der Arbeitswelt gesucht, und sie lautet: Ja, das Metaversum hat sehr viele Anwendungsbereiche und eigentlich die gesamte Business-Welt sowie die Unterhaltungsbranche im weitesten Sinn testen gerade die Möglichkeiten.

Hier zwei Beispiele aus dem Bereich Sport:

  • In der NBA ist es möglich, ein Ticket zu kaufen, um im Metaversum virtuell bei einem Match dabei zu sein. Wie funktioniert das? Indem man die Datenbrille aufsetzt, kann man sich direkt mit Horizon Venues verbinden und bei einem Event dabei sein, das sich in der physischen Welt nun wirklich nicht jede:r erlauben kann, da es ungefähr 10.000 Dollar kosten würde;
  • bei der letztjährigen Ausgabe der Australian Open war das Turnier an das Portal Decentraland gekoppelt, sodass verschiedene Events im Metaversum organisiert werden konnten.

Die Türöffner sind wie immer die großen Unternehmen, aber wir können uns nicht immer hinter der üblichen Ausrede verstecken, „wir sind nicht Google, das ist zu groß für uns“. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Welt sich inzwischen dreht, ist das, was in der NBA bereits heute Realität ist, für uns morgen auch die Wirklichkeit.

2. Es geht los: die praktischen Versuche der CEOs von Reverse

Die Reverse-Reise in die virtuelle Realität startet mit praktischen Versuchen, um eine Antwort auf die folgende Frage zu finden: Können unsere monatlichen Meetings, bei denen mehr als 100 Reverser:innen aus vier verschiedenen Ländern zusammenkommen, fesselnder werden, wenn man sie ins Metaversum verlegt?

Von dieser Frage ausgehend haben wir unsere Tests entworfen und uns den dabei entstehenden sowohl praktischen als auch ethischen Zweifeln gestellt, um zu sehen, ob es eine virtuelle Zukunft für HR geben kann und wenn ja, wie diese aussehen könnte.

Von der Begeisterung für alles Neue, die uns schon immer ausmacht, geleitet, haben wir uns gefragt, wie man das Metaversum ins Unternehmen einführen kann, sowohl aus technischer als auch aus psychologischer Sicht.

Aber beginnen wir wirklich ganz am Anfang: Wie kommt man überhaupt ins Metaversum?

2.1 Wie kommt man ins Metaversum?

Zuallererst haben wir festgestellt, dass sich die Tore zum Metaversum ganz einfach durch eine Internetverbindung und einen Account bei einer der Plattformen der virtuellen Welt öffnen lassen. Es gibt nicht das eine Metaversum, sondern verschiedene Welten, bei denen man sich registrieren kann. Die größten, die wir gefunden haben, sind Decentraland, Sandbox, Stageverse, Windows Mixed Reality von Microsoft und natürlich das von Mark Zuckerberg entworfene Oculus-Metaversum, an dem wir uns orientiert haben. Der erste grundlegende Schritt bestand darin zu entscheiden, welche Datenbrille wir verwenden wollen: Unsere Wahl fiel auf das Modell Oculus Quest 2 (449,99 Euro), das keine weitere Hardware benötigt und auch ohne Computer benutzt werden kann. Eine interessante Funktion, die uns gleich aufgefallen ist, ist das „Positions-Audio“: der Ton verändert sich je nach Bewegung des Kopfes, die von Sensoren aufgezeichnet wird. Zwei Joysticks sind inklusive, mit deren Hilfe man mit Personen und vor allem auch mit Objekten innerhalb des Metaversums interagieren kann.

Also haben wir mit der Brille auf dem Kopf und dem Joystick in der Hand unser Abenteuer in Angriff genommen, um diese Welt zu entdecken.

2.2 Die Erfahrungen unserer CEOs

Unsere CEOs Daniele Bacchi und Alessandro Raguseo (ubi maior…!) waren die ersten, die sich zu Testzwecken ins Metaversum gestürzt haben:

Hier der Erfahrungsbericht von Alessandro:

„Die erste Begegnung mit dem Metaversum bestand in der Lektüre verschiedener Artikel, um die Thematik zu vertiefen. Bei der von Zuckerberg vorgenommenen Namensänderung des Unternehmens von Facebook zu Meta wurde mir sofort klar, dass zumindest seine Erwartungen sehr hoch waren. Dass es also nicht die übliche leere Phrase war. Dennoch habe ich es weiter von mir fern gehalten und gezögert, es an mich heranzulassen.

Dann hat Daniele, mein Teilhaber, vorgeschlagen, dass wir doch das ein oder andere Meeting im Metaversum machen könnten. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich zu ihm gesagt habe, das sei absurd, weil wir die doch sowieso schon als Video-Calls machten und weil mir die Sache mit dem Metaversum als zu gewagt, zu übereilt erschien. Aber zugleich war mir klar, dass mein Urteil nur im Kopf entstanden war, ohne praktisches Ausprobieren, was gar nicht zu unserer Unternehmenskultur passt. Nennen wir es einfach Widerstand. Der ist dann aber zusammengebrochen, als Daniele seine Oculus gekauft hat: am nächsten Tag hatte ich auch eine. Es war Abend, ich habe das Gerät eingerichtet und bin reingegangen. Also von meinem konkreten, physischen Standort in Bologna aus habe ich das Metaversum offiziell betreten. Ich fühlte mich ein bisschen lächerlich vor den Augen meiner Frau und meiner Tochter mit dieser Brille und den Joysticks in den Händen: Während ich die irdische Welt also verließ hörte ich sie irgendwo in der Ferne sagen: „Was machst du denn da??“

Daniele hatte sich an diesem Abend im Metaversum mit mir verabredet. Aber wo? Was heißt das überhaupt? Wie ist das gemeint? Dachte ich. Aber ich war drin: Ich habe ein paar Spiele ausprobiert und wäre dabei fast hingefallen, dann habe ich ein paar 360°-Videos geschaut, zweifellos beeindruckend. Im Menü habe ich irgendwann den Begriff „events“ entdeckt und bin dorthin gegangen. Dort war eine Art virtuelles Foyer, verschiedene Menschen unterhielten sich miteinander. Also ihre Avatare. Beeindruckend, denn als ich mich ihnen näherte, wurde die Unterhaltung lauter, genau wie im richtigen Leben. Einer kam auf mich zu und wollte mich anquatschen, aber ich bin, wie immer bei solchen Gelegenheiten, abgehauen. Dann bin ich einem Event beigetreten, dem Konzert von Snoop Dogg. Vielleicht um die zwanzig Leute waren da. Dann habe ich auf der zweiten Ebene in einer Ecke „danibac“ gesehen (man kann über dem Avatar den Namen lesen). Ein Typ, also der Avatar von einem Typen, mit Krawatte: Daniele Bacchi. Ich erinnere mich, dass ich ihn gefragt habe: „Echt jetzt, du kommst mit einer Krawatte zu einem Konzert von Snoop Dogg?“ Dann gab es ein Durcheinander und es war schwer, sich zu unterhalten, deshalb sind wir wieder ins Foyer gegangen mit unseren Avataren. Mein Eindruck ist, dass ich an diesem Abend quasi zu einem Konzert von Snoop Dogg gegangen bin und dort Daniele getroffen habe und wir haben uns unterhalten. Quasi.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es mir gefallen hat oder nicht, aber es ist auf jeden Fall irgendwie beunruhigend. Meine Gedanken dazu: Es handelt sich um ein mächtiges Instrument, realistischer als ich erwartet hatte und unzweifelhaft dafür geschaffen, um weiter verbessert zu werden. Als ich die ersten elektronischen Spiele gespielt habe – Tennis mit den beiden Balken und dem kleinen Ball (5 weiße Pixel), der hin und her ging – konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, was heute eine Playstation 5 zu bieten hat. Wenn die Verbesserungskurve des Metaversums auch nur annähernd an die des Gamings herankommt, dann stehen wir vor unendlichen Möglichkeiten und Anwendungsformen. Mir bleiben allerdings Zweifel daran, wie wir diese dadurch entstehende Vermischung von realer und virtueller Welt steuern können. Ich frage mich zum Beispiel, ob es dort eine universelle Verfassung und entsprechende Gesetze geben wird. Wenn wir dort ein Verbrechen begehen, verbüßen wir die Strafe dann hier oder dort? Und umgekehrt. Es könnte eine wenig humane Welt werden, außer Kontrolle geraten. Vielleicht unmenschlich sein. Und letztlich denke ich, dass Dante eigentlich das Metaversum schon erfunden hat, mit seiner Hölle, die nur von Seelen bevölkert und eine Spiegelung des moralischen Elends der verkommenen Menschheit seiner Zeit ist. Da sehe ich tatsächlich Parallelen.“

Ein langer Bericht, aber es ist nicht leicht, eine so vielschichtige Erfahrung in wenige Worte zu fassen.

Hier wiederum der Bericht von Daniele, der die Herausforderung Metaversum vor dem Hintergrund seines ewigen Mantras „erst probieren, dann urteilen“ mit offenen Armen angenommen hat.

„Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, war: Kann das Metaversum die Welt der Arbeit, des Recruitments, des Onboardings, der Weiterbildung, der Zusammenarbeit, der HR revolutionieren? Die Antwort darauf war ein Ja, gleich beim ersten 30-minütigen Test war ich mir sicher. Virtuelle Realität wird kein vorübergehendes Phänomen sein.

Ich kann bestätigen, dass die Technologie seit meinem letzten Versuch mit der Oculus vor einiger Zeit enorme Fortschritte gemacht hat. Heute ist das Bild scharf und die Interaktion mit den Dingen im Metaversum ist sehr realistisch.

Wenn man mich fragen würde, in welchem Bereich von HR sich eine Investition heute schon lohnt, würde ich wahrscheinlich antworten: Onboarding und Weiterbildung. Meiner Meinung nach kann es eine noch intensivere Erfahrung bieten als die physische Welt. Für ein 1:1 Einstellungsgespräch hingegen ist es vielleicht noch ein großes Hindernis, keine realen Gesichtsausdrücke zu haben. Trotzdem glaube ich, dass das Metaversum einen mächtigen Einfluss auf das Employer Branding in der Pre-Recruitment-Phase haben kann.

Weitere Schwachstellen? Mit Sicherheit die Einführung sowie die Kosten für die Oculus. Ersteres kann für Personen, die nicht zumindest durchschnittliche digitale Nutzer:innen sind, kompliziert werden und beim zweiten Punkt könnten die Kosten exorbitant werden, wenn man Meetings mit einem ausgedehnten Teilnehmer:innenkreis organisieren möchte.

Alles in allem möchte ich aber dennoch bekräftigen, dass das Metaversum in der heutigen Welt zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden kann, und außerdem sind eine anachronistische Unternehmenspolitik und überholte Technologien einfach nicht mehr akzeptabel. Die Herangehensweise muss allerdings neu bedacht werden: Man muss von den jüngeren Generationen lernen und sich deren Gewohnheiten anschauen, denn sie sind die Arbeitenden von morgen. Es ist absolut unablässig, Zeit in den Lernprozess zu investieren und die Sache frei von jedem Vorurteil zu erkunden.“

In den Worten von Daniele Bacchi schwingt eine weitere Überlegung mit: Die Unternehmen sollten nicht wieder so unvorbereitet sein, wie es beim Übergang zum Digitalen der Fall war.

„Und das gilt auch für diejenigen, die sehr skeptisch sind: Niemand von uns kann mit Sicherheit sagen, wie die Welt des Business in Zukunft aussehen wird, aber es ist wichtig zu erkennen und zu verstehen, was um uns herum passiert, auch wenn es sich um Dinge handelt, die weit weg von unseren persönlichen Interessen sind. Nur so können wir bewusste Entscheidungen treffen und unsere Angestellten führen“, sagt Daniele Bacchi.

Momentan bleiben noch viele Fragezeichen, aber man muss das Metaversum kennenlernen, damit man nicht von ihm überrumpelt wird.

Und genau deshalb sind wir nicht bei unseren CEOs stehengeblieben.

3. Wann wird das Metaversum für HR interessant? Unsere Erfahrungen.

An diesem Punkt haben wir die Datenbrille an andere Reverser:innen weitergegeben, sie beobachtete, während sie die Sache ausprobiert haben, und ihr Feedback erfragt.

Die Ziele? Zwei:

- Verstehen, ob die Erfahrung bei Meetings und Besprechungen im Metaversum intensiver ist als die, die man bei normalen Video-Calls macht;

- Verstehen, wie leistungsfähig das Metaversum für Unternehmen ist, wenn sie sich dorthin begeben, um bei den Kandidat:innen (und darüber hinaus) bekannt zu werden.

Folgendes haben wir festgestellt.

Fangen wir mit dem ersten Punkt an: Kann man das Metaversum nutzen, um Meetings und Gespräche mitreißender zu gestalten?

Na ja.

Vom Unterhaltungswert her ist der Wow-Effekt sicher: Auf der Plattform PETRA zu fliegen ist eine Erfahrung, die man nur in der virtuellen Realität machen kann. Noch dazu erscheint sie beinahe real. Eine faszinierende Form der Beteiligung.

Auch vom Gaming-Gesichtspunkt aus gesehen ist es im wahrsten Sinne des Wortes mitreißend: Sehr schnell in einen Abgrund gestürzt zu werden, raubt einem beispielsweise ganz real den Atem.

Die Wirkung eines Versammlungsraums für ein virtuelles Meeting ist jedoch nicht im gleichen Maße “wow”.

Der größte Mangel? Das Metaversum führt zu einem Verlust an physischer Präsenz. Das Gesicht ist auch über eine Webcam sehr viel aussagekräftiger als ein Avatar und die vielfältigen menschlichen Ausdrucksformen können nicht wirksam ersetzt werden.

Im Hinblick auf Business-Meetings und Gespräche bietet das Metaversum also eher wenig Möglichkeiten zur Wirkungssteigerung. Was das angeht, sind wir bislang noch weit davon entfernt, ein Instrument mit echtem Mehrwert in der Hand zu haben.

Unserem Team People&Culture zufolge zeigt sich aber eine andere gute Nutzungsmöglichkeit: Für die praktische Weiterbildung aus der Distanz wird das Metaversum für HR interessant. Beim Distanz-Lernen ist der Knackpunkt das persönliche Engagement: Denn man hat trotz der digitalen Instrumente nie den Eindruck, wirklich beteiligt zu sein. Das Metaversum aber ist bei der Interaktion sehr stark. Man meint, ein Videospiel wirklich zu betreten und dieser Eindruck ist sehr stark und lässt kaum jemanden kalt. Im Rahmen einer Fortbildung die eigenen Mitarbeiter:innen diese Erfahrung machen zu lassen, kann nachhaltig sein und auch in didaktischer Hinsicht eine große Wirkung entfalten.

Gehen wir zum zweiten Punkt über: Sollte man das Metaversum ausprobieren und das eigene Unternehmen dort einführen, zumindest um es sichtbar zu machen?

In diesem Fall fällt die Antwort positiv aus.

Als der Trend zum Metaversum begann, haben sich viele unserer besten Kandidat:innen gleich in die virtuelle Realität begeben. Mit ihren Avataren sitzen sie auf den virtuellen Rängen einer NBA-Partie, sehen auf den Banden die Namen der Sponsoren vorbeiziehen und bilden sich eine Meinung über die Unternehmen, die sie dort sehen.

Daher also die Idee: Die Bekanntheit der eigenen Marke und das eigene Employer Branding ins Metaversum zu bringen könnte eine gute Möglichkeit sein. Wenn die Kandidat:innen dort sind, dann sollten auch die Unternehmen in irgendeiner Weise dort auftreten, um sich bekannt zu machen. Zum Beispiel indem man, warum nicht, als Sponsor auf den Rängen einer Basketball-Partie auftaucht.

Es gibt einen sehr wichtigen Grundsatz, den es zu beachten gilt: Wenn wir dem Motto „der Mensch im Zentrum“ entsprechen wollen, dem Leitsatz aller, die im Bereich HR arbeiten, dann dürfen wir niemals die aktuellen Interessen der Menschen, die wir ins Zentrum stellen wollen, ignorieren. Wir dürfen nicht unbeachtet lassen, wo sie sich aufhalten, welche Orte sie aufsuchen, auch die virtuellen.

Wenn die Kandidat:innen das Metaversum ausprobieren, sollten auch die Unternehmen dessen Möglichkeiten entdecken und dort in Erscheinung treten.

4. Onboarding im Metaversum: unser konkretes Projekt

Aber wir haben nicht nur schon vorhandene Realitäten im Metaversum ausprobiert. Wir haben eine ganz eigene geschaffen. Einen virtuellen Raum, um die Neu-Eingestellten willkommen zu heißen und sie mit einem Onboarding-Prozess zu begleiten.

Im folgenden Video können Sie sehen, wie wir unsere unternehmenseigene virtuelle Realität zum Empfang neuer Reverser:innen, den Newbies, wie wir sie nennen, gestalten. Mit der App Arthur begleiten wir alle Newbies in fünf Etappen: Vom Warteraum unseres virtuellen Büros bis zu den Arbeitsräumen und dem Pausenraum, alles mit Videos und Präsentationen angereichert.

Das Metaversum bietet den Unternehmen die Möglichkeit, vor-angelegte Räume zu nutzen, sei es ein Büro, eine Berghütte oder der Mond. Man kann aber auch von Null auf einen virtuellen Raum erschaffen, der entweder die eigenen Räumlichkeiten getreu abbildet oder alternativ etwas zeigt, das mit Unternehmen in Verbindung steht.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen aus dem Food-Sektor könnte ein Onboarding in einem Restaurant, einem Getreidefeld oder einem Supermarktgang einrichten, um die Neu-Eingestellten in einer Location zu empfangen, die mit dem eigenen Business zu tun hat.

Nachdem wir unsere eigene Realität im Metaversum erstellt hatten, haben wir diese von ein paar Kolleg:innen testen lassen und uns ihr Feedback zu dieser Erfahrung eingeholt: Einerseits fühlten alle sich stark involviert, aber auf der anderen Seite wurde es auch als etwas kompliziert empfunden, weil die Controller nicht besonders intuitiv zu bedienen waren.

5. Metaversum für HR: Wo sind die Grenzen (zumindest bis jetzt)?

In die virtuelle Realität zu reisen, war lustig, neu und begeisternd, das haben alle bestätigt, aber hinsichtlich der Nutzbarkeit bleiben noch Zweifel. Wie beweglich und nützlich kann der Wechsel ins Metaversum und zurück sein?

Wir versuchen eine Antwort.

Ein abwertendes Element sehen wir vor allem im Mangel an physischer Präsenz: Die Welt der Human Resources lebt von Kontakten, Beziehungen, menschlichen Ausdrucksformen. Wenn man es also mit Avataren zu tun hat anstatt mit Personen, bedeutet das eine große Einschränkung.

Aber gibt es jenseits der Körperlichkeit noch weitere Hindernisse? Leider ja, strukturelle und finanzielle.

Noch spielen die Kosten für die Datenbrille eine große Rolle: Für Unternehmensevents wäre die einzig sinnvolle Lösung, die Geräte zu leihen, aber dieses Angebot ist noch nicht weit verbreitet und kaum verfügbar.

Und diese Einschränkung gilt für alle Länder, in denen Reverse präsent ist: Italien, Deutschland, Frankreich und Spanien.

Insbesondere in Deutschland ist das Interesse am Metaversum zwar groß, aber so viel Geld für etwas auszugeben, das noch nicht richtig getestet ist, wird nicht akzeptiert. Ganz abgesehen davon, dass viele Unternehmen außerhalb der moderneren Städte wie München und Berlin bislang noch wenig auf Smart Working eingerichtet sind und dass die mittelständischen deutschen Unternehmen eher darauf drängen, wieder komplett zur Arbeit in Präsenz zurückzukehren.

Dasselbe gilt auch für zahlreiche Unternehmen in den anderen oben genannten Ländern.

So große Summen in ein digitales Instrument zu investieren, das Smart Working und remote Arbeit fördert, wird in diesen Unternehmen wohl keine Priorität haben.

Außerdem sind Entwickler:innen und Expert:innen für das Metaversum ein rares Gut. Sicherlich werden sie schnell mehr werden, aber zumindest bislang ist es nicht einfach, sie zu finden.

Eine andere Frage: „Und wenn ich komplexe Prozesse, die länger dauern, steuern soll?“ Dann taucht ein weiteres Problem auf: die begrenzte Nutzungsdauer der Brille. Diese verfügt über eine Batterie, die etwa zwei Stunden hält. Vielleicht dann doch ein bisschen zu wenig.

Und zuletzt, aber nicht hinsichtlich der Bedeutung, die Frage nach dem Schwindelgefühl: Man muss bedenken, dass die Brille vor allem für jemanden, der oder die nicht daran gewöhnt ist, ein Gefühl von Übelkeit oder Schwindel verursachen kann. Das berichteten auch verschiedenen Reverser:innen, die sich regelrecht erschrocken und die Brille abgenommen haben, um wieder in die Realität zurückzukehren.

6. Und die Zukunft, wie geht es weiter?

Wie jede Innovation bringt natürlich auch das Metaversum etwas Geheimnisvolles mit sich, das einerseits auf Ängste und Widerstände stoßen und andererseits schnell Gegenstand leichtsinniger Schwärmerei werden kann. Unternehmen müssen nicht unbedingt im Metaversum präsent sein, aber sie müssen es auf jeden Fall kennen und eigene Erfahrungen damit gemacht haben.

Heute ist es wichtig, sich eine vernünftige Meinung dazu zu bilden und die Vorteile zu entdecken.

Morgen kann man dann aus unserer Sicht versuchen, das Metaversum in die Welt der HR einzubeziehen, vorausgesetzt es verleiht der physischen Realität einen Booster und präsentiert sich nicht nur als deren Alternative.

Das Digitale kann das Reale verbessern, wenn es sich mit ihm verbindet.

Ein konkretes Beispiel: Wir Reverser:innnen haben in allen Ländern, in denen wir präsent sind, online an einem Sportwettkampf teilgenommen, der von „Aktion gegen den Hunger“ organisiert wurde. In Mannschaften eingeteilt haben wir alle eine App verwendet, um die eigene körperliche Betätigung zu dokumentieren und uns mit anderen Unternehmen aus ganz Europa zu messen. So konnten wir auf digitalem Weg also auch gemeinsam mit den deutschen und französischen Kolleg:innen Spaß haben, die wir sonst nicht so oft treffen können, und dabei wurde eine sehr körperliche Aktivität wie das Laufen gefördert. Zusatzpunkte gab es für sportliche Aktivitäten, die gemeinsam mit Kolleg:innen gemacht wurden, also wurde auch die Gemeinschaft gefördert.

Ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Technologie die Wirklichkeit verbessern kann, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird.

Aber Vorsicht: Über einen Jobwechsel nachzudenken oder die ersten Schritte in einem neuen Unternehmen zu gehen, ist nicht dasselbe wie ein Designer-Shirt für den Avatar zu kaufen. Der Einsatz ist viel höher. Wir müssen also das Gleichgewicht zwischen Vorsicht und Innovation möglichst gut wahren. Was sind die möglichen Risiken? Einerseits eine totale Ablehnung vonseiten vieler HR-Manager:innen und andererseits ein allzu leichtsinniges Eintauchen ins Metaversum nur um zu zeigen, dass man up to date ist. Es geht nicht darum zu bestimmen, wer am trendigsten ist, sondern um einen Wettbewerb im Kampf um Talente bzw. darum, einen Unterschied auszumachen im Leben der Menschen.

Auf jeden Fall endet die Reise an dieser Stelle noch lange nicht.

Der Weg hin zur Nutzung des Metaversums für die Welt der HR ist noch lang, aber als eine neue Realität werden wir seine Entwicklung konstant beobachten und auswerten.

Denn wer weiß, ob das Metaversum sich lediglich als vorübergehender Trend erweist oder als konkrete Chance der Zukunft.

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